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Die Analyse der Muskelbiopsie mit den Standardfärbungen der Histologie und Histochemie erlaubt eine Vielzahl von spezifischen Befunden zu erheben. Neben der Differenzierung in ein neurogenes versus myogenes Gewebesyndrom erfolgt die spezifische Differenzierung in entzündliche Muskelerkrankungen, metabolische oder toxische Myopathien. Heute noch ganz überwiegend sollte bei der Frage nach einer degenerativen Myopathie und der Bestätigung der Diagnose „Muskeldystrophie/Kongenitale Myopathie“ unter Ausschluss anderer, möglicherweise kausal behandelbarer Diagnosen, eine Muskelbiopsie erfolgen. In weiteren Schritten kann hier eine ausführliche Proteindiagnostik zum Nachweis eines Verlustes bekannter, bei Muskeldystrophien involvierter Proteine erfolgen. Diese Analyse erfolgt mittels Kombination von Immunhistochemie und Western Blot.
Obligat bei Verdacht auf:
Fakultativ bei:
Die Immunhistochemie ist eine der zentralen Methoden der modernen histopathologischen Diagnostik und Forschung. Durch immunhistologische Techniken wird es möglich, Proteine, Polysaccharide und andere Strukturen, gegen die Antikörper gebildet werden können, hochspezifisch nachzuweisen. Diese Antikörper können in verschiedenen Untersuchungsverfahren als „molekulare Pinzetten“ zum Nachweis der von ihnen spezifisch erkannten Antigene einsetzt werden. Dadurch kann die konventionell-histologische Analyse von Differenzierungsmustern um die Ermittlung von spezifischen Oberflächenmustern (zumeist deren Verlust) ergänzt werden. Aktuell werden bei uns zur Abklärung einer Gliedergürteldystrophie Antiköper gegen Dystrophin, ?-Dystroglykan, Utrophin, ?-, ?-, ?-, ?-Sarkoglykan, Merosin, Dysferlin, Caveolin-3, ?-Dystroglykan, Emerin, Lamin A/C, Kollagen-6, Desmin und Myosin diagnostisch eingesetzt.
Zusätzlich wird die Immunhistologie mit monoklonalen Antikörpern gegen CD4, CD8, Makrophagen, HLA, und C5B9-Komplement zur Differenzierung bei entzündlichen Muskelerkrankungen (Dermatomyositis, Polymyositis, Overlap-Syndrom, Einschlusskörpermyositis) eingesetzt.
Ein Western Blot (syn.: Immunoblot) bezeichnet den elektrophoretischen Transfer von Proteinen auf eine Trägermembran, welche anschließend über unterschiedliche Reaktionen nachgewiesen werden können. Anwendung findet der Western Blot in der molekularbiologischen und medizinischen Forschung sowie in der Diagnostik der Gliedergürteldystrophien. Das Western Blotting dient dem Nachweis diagnostisch interessanter bzw. krankheitsrelevanter Proteine und deren Expressionshöhe. Aktuell werden bei uns Antiköper gegen Dystrophin, ?-Sarkoglykan, Merosin, Calpain-3, Dysferlin, Caveolin-3, ?-Dystroglykan und Emerin diagnostisch eingesetzt.
Für gewöhnlich wird für Immunhistologie und Western blotting ein Panel an Antikörpern eingesetzt, dessen Auswertung dann häufig eine spezifische Zuordnung der Muskeldystrophien erlaubt. Entscheidend für die differenzierende Diagnostik der Muskeldystrophien ist daher die Kombination der Proteindiagnostik mit gezielter molekulargenetischer Analyse sowie ggf. Kopplungsanalysen (Linkage). Fallen alle Untersuchungen negativ aus, muss die Einordnung der Muskeldystrophien insbesondere im sporadischen Fall noch offen bleiben. Die definitive Diagnose der bisher nur als genetische Loci charakterisierten Entitäten wird bei sporadischen Fällen oder kleinen Familien erst möglich sein, wenn die verursachenden Gene und ihre Proteinprodukte charakterisiert sind.
Die ultrastrukturelle Untersuchung des Muskelgewebes erfolgt in Zusammenarbeit mit Professor Müller-Höcker, Pathologisches Institut der Universität München. Aus initialen sog. Semidünnschnitten (1µm) werden Areale mit pathologischen Auffälligkeiten (z.B. Organelle wie vergrößerte oder vermehrte Mitochondrien oder Lysosomen oder Strukturbesonderheiten wie Vakuolen oder Aggregate) ultrastrukturell aufgearbeitet und ausgewertet. Insbesondere bei Strukturbesonderheiten (z.B. Nemaline, rods, cores) u.a. im Rahmen von kongenitalen Muskeldystrophien hat die EM-Untersuchung einen hohen Stellenwert in der Differentialdiagnostik. So dient z.B. auch der Nachweis von sog. tubuloretikulären endothelialer Einschlüssen bei Dermatomyositis neben der positiven Immunhistologie zur Diagnosesicherung.


