Diese Studie richtet sich an weibliche und männliche Patienten mit der Diagnose einer Dysferlinopathie (Muskeldystrophie vom Gliedergürteltyp auf dem Boden eines Dysferlinmangels, LGMD2B / Myoshi Myopathie, MM). Bisher steht für diese Erkrankung noch keine ursächliche Behandlung zur Verfügung. Die meisten bislang in klinischen Studien bei Muskeldystrophien getesteten Substanzen waren wenig erfolgversprechend. Im Gegensatz dazu konnte für Kortikosteroide wie das in dieser Studie verwendete Medikament „Deflazacort“ eine deutliche Besserung der Muskelkraft und eine Verlängerung der Gehfähigkeit in mehreren kontrollierten Studien bei Patienten mit Muskeldystrophie Typ Duchenne gezeigt werden. Allerdings sind unter dieser Therapie häufig Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Flüssigkeitseinlagerung, Wachstumsretardierung und Katarakte zu verzeichnen, die bei einigen Patienten eine Langzeittherapie verhindern. Einige Patienten sprechen hingegen außerordentlich gut auf diese Therapie mit nur minimalen Nebenwirkungen an. Bislang wurde die Wirksamkeit dieser Therapie bei anderen Muskeldystrophien nicht systematisch getestet. In dieser Studie soll zunächst in einer einjährigen Vorphase der natürliche Krankheitsverlaufs erfasst werden, im Anschluss sollen Nutzen und Nebenwirkungen von Deflazacort bei Patienten mit Dysferlinopathie (LGMD2B/MM) kontrolliert überprüft werden. Des weiteren soll die längerfristige Entwicklung der Erkrankung in einem zweijährigen Follow-up dokumentiert werden. Alle Untersuchungen werden in sechsmonatigen Intervallen im Friedrich-Baur-Institut stattfinden.
Doppelblind, randomisiert, plazebokontrolliert, monozentrisch. Im ersten Studienjahr erhalten Sie keine spezifische medikamentöse Therapie, um den natürlichen Krankheitsverlauf erfassen zu können. Im Anschluss erhalten Sie im ersten Behandlungsmonat Deflazacort 1mg/kg/Tag oder Placebo (eine Tablette, die äußerlich und geschmacklich nicht von Deflazacort zu unterscheiden ist, aber keine wirksamen Bestandteile enthält), ab dem zweiten Behandlungsmonat wird das entsprechende Medikament alternierend (jeden zweiten Tag) verabreicht, um etwaige Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.
Obwohl ein therapeutischer Durchbruch bislang nicht gelungen und kurative Therapien bislang nicht verfügbar sind, könnten sich Lebenserwartung und Lebensqualität von Patienten mit Dysferlinopathien durch eine medikamentöse Therapie, die den Muskelabbauprozess verlangsamt und Muskelkraft und -funktion verbessert, merklich erhöhen. Daher sind die Ergebnisse dieser Studie – ob positiv oder negativ – wissenswert und werden möglicherweise zukünftige Richtlinien für die Therapie bei Muskeldystrophien beeinflussen. Des weiteren wird die Erfassung des natürlichen Krankheitsverlaufs der Dysferlinopathien neue Einblicke in das klinische Verständnis dieser seltenen Erkrankungen gewährleisten.
Hauptkriterien: Muskelkraft entsprechend den Medical Research Council Scales (MRC) und quantitative Kraftmessung mittels Hand-held dynamometry (Citec) in den gleichen Muskelgruppen
Nebenkriterien: quantitative Kraftmessung mittels Drehmomentmessung (QSM, M3diagnos), Neuromuscular Symptoms Score (NSS), Timed Function Tests, Clinical Global Impressions (CGI) of Change und Erfassung der Lebensqualität (SF-36 Skala)
PD Dr. Maggie C. Walter (Leiterin Klinische Prüfung)
Simone Thiele